Wenn alles anders kommt, als gedacht

Lena Hedemann Allgemein, Potentialentfaltung

Wir müssen darüber reden. Deshalb schreibe ich eine ganz intime Geschichte, in der es um die stille Geburt meiner Tochter Lina geht. Ich habe das hier geschrieben, weil ich denke ein Kind zu verlieren darf kein Tabuthema mehr sein. Für mich war es so wertvoll Mitgefühl zu bekommen und ich war erstaunt, wie viele Menschen in meinem Bekanntenkreis schon eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Selbst, wer noch kein Kind verloren hat, aber schon einmal schwanger war, kennt meistens die Angst darum, dass es passieren könnte. Warum gibt es diese Regel, erst nach zwölf Wochen von der Schwangerschaft zu erzählen? Dabei braucht man doch gerade in den ersten Wochen, mit der großen hormonellen Umstellung, am meisten Unterstützung. Wieso reden wir nicht über Fehlgeburten und verschweigen unsere Sternenkinder? Ich hoffe, damit anderen helfen zu können, die etwas Ähnliches erlebt haben oder gerade erleben und dass wir in Zukuft offener darüber sprechen können. Lasst uns unseren Schmerz teilen und dadurch in Verbindung kommen. Denn das ist auch für mich Potentialentfaltung: Mich so zu zeigen, wie ich bin. Mit all meinen Wunden.

Am Dienstagmorgen sitze ich mit meinem Mann bei meiner Frauenärztin zur Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Ich bin im vierten Monat schwanger und so froh nun endlich den schönen Teil der Schwangerschaft genießen zu können. Die letzten Wochen hatte ich wegen schlimmster Übelkeit größtenteils auf der Couch verbracht. Wir machen deswegen noch Scherze mit der Ärztin, ob es nicht doch noch sein könnte, dass es Zwillinge sind. Seit gestern mag ich sogar endlich wieder indisches Essen, was ich die letzten zwei Monate nicht einmal angucken konnte. Doch als die Ärztin dann mit dem Ultraschall beginnt, sehe ich vielleicht schon ein oder zwei Sekunden vorher, was sie dann ausspricht:

„Ich sehe keinen Herzschlag.”

Die Welt steht plötzlich still. Nichts ist mehr wie vorher. Auch in dem Gesicht der Ärztin kann ich kurz den Schreck sehen. Sehr unwahrscheinlich ist es nach der zwölften Woche noch eine Fehlgeburt zu haben, die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1,5 Prozent. Mit dieser Zuversicht saßen wir heute Morgen in ihrem Wartezimmer. Ich dachte mir da noch: Ganz bald werde ich ja auch regelmäßig die ersten Kindesbewegungen fühlen und dann selbst wissen, ob alles gut ist. Ich hatte sogar einmal vor ein paar Tagen das Gefühl, ich hatte sie schon gespürt. Bei meinem Sohn konnte ich auch schon ganz früh etwas merken. Gestern Abend im Bett hatte ich sie gebeten, noch einmal ganz doll zu strampeln, um mir ein Zeichen zu geben. Da kam nichts, aber da habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Ist ja noch so früh.

Die Ärztin erklärt uns ganz einfühlsam, was das jetzt bedeutet und was wir nun tun müssen. Auch wenn das Baby noch so klein ist, ist keine Ausschabung mehr möglich, sondern die Geburt muss eingeleitet werden. Sie macht auch noch einen Ultraschall, weil ich es nicht glauben will. Doch auch da ist keine Bewegung und kein Herzschlag. Sie sagt, das Kind ist zeitgerecht entwickelt. Sie kann erst vor sehr kurzem gestorben sein. Wie in einer Blase taumeln wir, mit der Telefonnummer vom Krankenhaus in der Hand, aus der Praxis.

Ich rufe meine Eltern an, die sich gleich ins Auto setzen und die 500 Kilometer nach Berlin fahren, um sich in den nächsten Tagen um unseren zweijährigen Sohn zu kümmern. Vereinbare mit dem Krankenhaus einen Termin. Denen am Telefon zu erklären, wofür ich einen Termin brauche, ist fürchterlich. Ich lese vor, was auf dem Überweisungsschein steht: „Missed abortion”. Doch der Mann am Empfang versteht nicht, worum es geht. Auch mit dem Begriff „stille Geburt” kann er nichts anfangen und sagt mir dann empört, sie machen keine Abtreibungen. Erst als ich ins Telefon brülle: „Das Kind ist schon tot!” versteht er mich und verbindet mich weiter. Ich organisiere und halte mich beschäftigt, um noch nicht zu fühlen, was ich nun weiß.

Ich kann den Gedanken nicht ertragen, ein totes Kind in mir zu haben und jetzt will ich einfach, dass es so schnell wie möglich vorbei ist.

Doch so schnell geht das nicht. Im Nachhinein kann ich sagen: zum Glück. Doch in diesem Moment fühlt es sich einfach schrecklich an. Alles fühlt sich schrecklich an. Ich weiß nicht, wie ich die Nacht überstehen soll. Wir sitzen die meiste Zeit auf dem Sofa und weinen. Aber nicht nur vor Traurigkeit, ich bin vor allem wütend. Frage mich warum? Warum immer ich?

Am nächsten Morgen fahren wir zum Krankenhaus, wo wir ewig warten müssen. Der Ultraschall dort bestätigt noch einmal das Ergebnis vom Vortag.

Mein Mann und ich haben bis zu dieser Sekunde noch die Hoffnung auf ein Wunder.

Doch da ist keines. Ich weiß nicht, wohin mit meiner Wut. Wir sind in einem katholischen Krankenhaus und überall sind Sprüche über Gott angebracht. Ich würde am liebsten eine der Nonnen anschreien und sagen: „Gott hat mich gestern verlassen und ich will nie wieder etwas mit ihm zu tun haben.”

Ich bekomme ein vorbereitendes Mittel, was den Gebärmutterhals weich machen soll. Die Geburt soll dann erst am Freitag eingeleitet werden und wir fahren wieder nach Hause. Ich weiß an dieser Stelle nicht, wie ich noch zwei weitere Nächte überstehen soll. Aber ich bin froh nicht im Krankenhaus bleiben zu müssen und bei meinem Sohn zu sein. Und ich bin dankbar, dass er in guten Händen ist und mit seinen Großeltern viel Spaß hat. Natürlich spürt er auch, dass was los ist, aber ich habe das Gefühl, er kann erstaunlich gut damit umgehen. Als ob es ihm lieber ist, wenn wir vor ihm weinen, als wenn wir es verstecken würden. Mein Mann und ich haben dadurch das erste Mal, seitdem wir Eltern geworden sind, wieder richtig viel Zeit zu zweit. Auch wenn wir durch intensive und nicht angenehme Gefühle durchgehen, ist es wie ein Geschenk: Es hat uns als Paar wieder ganz nah zusammengebracht. Ich weiß, er ist der Einzige, mit dem ich durch so etwas durchgehen könnte. Und als ich nachts neben meinem Sohn im Bett liege und er sich an mich kuschelt, weiß ich auch: Gott hat mich nicht verlassen. Das kann gar nicht sein. Sonst hätte ich nicht gleichzeitig so ein großes Glück.

Den nächsten Vormittag verbringe ich damit etwas zu finden, was wir dem Baby anziehen können. Die halbe Nacht habe ich damit verbracht herauszufinden, wie sie aussehen wird. Schon wie ein richtiger Mensch? Google bietet mir dazu keine richtigen Antworten. Auch nicht auf die Frage wie die Geburt ablaufen könnte. Ich finde viele so traurige Berichte über stille Geburten, bei denen die Schwangerschaft schon viel weiter fortgeschritten ist. Wie viel schlimmer muss es sein, wenn man das Kind in sich spürt jeden Tag und vielleicht sogar schon kurz vor der Geburt steht? Wie soll man so etwas ertragen? Hätte ich das besser ertragen, wenn ich sie zumindest eine längere Zeit bei mir gehabt hätte? Werde ich morgen überhaupt in der Lage sein mein Kind anzufassen oder geht das noch gar nicht? Ich kann nichts über die 14. Schwangerschaftswoche finden. Das hat mich auch bewogen, das hier alles so genau aufzuschreiben. Wer selbst betroffen ist und mehr wissen möchte, kann mich gerne anschreiben oder anrufen. Ich gehe in mehrere Spielzeugläden und frage nach ganz kleiner Puppenkleidung, aber alles, was sie haben, ist noch viel zu groß. Da bekomme ich die Nachricht von DHL: Morgen soll ein Paket geliefert werden von Hope´s Angels. Ein Erste-Hilfe-Päckchen, in dem auch etwas zum Anziehen ist.

Mit der Hoffnung, dass es noch rechtzeitig ankommt, gehe ich nach Hause und nehme ein Bad. Meine Wut bricht wieder aus mir heraus, ich schreie, weine und frage immer wieder: „Warum?!” Gleichzeitig es hat auch irgendwie etwas Befreiendes und Reinigendes: Als ob etwas herauskommt, was schon lange feststeckt. Als keine Tränen mehr da sind, spüre ich auf einmal eine tiefe Ruhe. Und ich kann mich mit meinem Baby verbinden und ganz klar hören wie sie sagt:

„Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.”

Ich frage wütend, wieso ich dann überhaupt erst schwanger geworden bin. Wenn es nicht der richtige Zeitpunkt ist, dann hätte ich mir das ja alles sparen können und morgen nicht auch noch eine Geburt machen müssen. Aber dann wird mir sofort klar, wie viel schlimmer es für uns gewesen wäre, wenn ich lange Zeit hätte warten müssen. So sehr hatten wir uns jetzt ein zweites Kind gewünscht. Jeden Monat zu hoffen und enttäuscht zu sein, dass es nicht geklappt hat, wäre bestimmt sehr hart geworden. Ich weiß nicht wieso, aber ich kann das annehmen und fühle Frieden in mir. Fühle mich im Frieden mit ihr und ein kleines bisschen auch mit der Sache an sich. Auch wenn ich eigentlich das alles noch gar nicht glauben kann. Und, wenn ich mir gerade überhaupt nicht vorstellen kann, jemals wieder schwanger zu sein. Doch in dieser Nacht kann ich endlich wieder schlafen kann.

Am nächsten Morgen fahren wir ins Krankenhaus. Ich kann mir so überhaupt nicht vorstellen, was mich erwartet und das macht mir Angst. Außerdem habe ich fast nur schlechte Berichte von Krankenhausgeburten gehört. Wir laufen vorbei am Kreißsaal und sehen viele glückliche Familien mit Neugeborenen im Arm. Und auch einige, die nicht so glücklich aussehen. Am liebsten würde ich denen ihr Baby wegnehmen und sagen:

Wisst ihr eigentlich, was für ein Glück ihr habt?!

Die Aufnahme im Krankenhaus verläuft ansonsten aber viel besser als erwartet: Die Schwestern und Ärzte sind sehr einfühlsam und ich bekomme ein Einzelzimmer mit Vogelgezwitscher. Auch akzeptieren sie sofort, als ich sage, ich möchte keinen Zugang gelegt bekommen. Wir bekommen ein Formular vorgelegt für die anschließende Sammelbestattung, die das Krankenhaus für Sternenkinder organisiert. Zum Glück hat mir meine Hebamme gesagt, dass es in Berlin, bei Babys, die ein Geburtsgewicht unter 500 g haben, keine Bestattungspflicht gibt, denn wir haben uns entschlossen, sie mit nach Hause zu nehmen und sie an einem besonderen Ort zu beerdigen. Das Krankenhaus sagt zuerst, das sei nicht möglich, aber nach einigem Nachhaken finden sie heraus, dass es doch geht.

Ich nehme dann das Wehenmittel ein und schon zehn Minuten später habe ich Schmerzen. Zum Glück bekomme ich auch ein gutes Schmerzmittel. Ich versuche zu erinnern, wie ich mit Wehen umgehen kann. Aber darauf war weder ich noch mein Körper vorbereitet. Hypnobirthing funktioniert heute nicht wirklich. Braucht es aber dank dem Schmerzmittel auch nicht zu sehr. Die Schwester versucht mir klarzumachen, es wäre besser mich darauf einzustellen, dass es bis zu zwei Tage dauern kann. Mir ist aber klar, ich will heute Nacht wieder zu Hause bei meinem Sohn sein. Oder zumindest mein Mann soll bei ihm sein. Und der wird nicht gehen, wenn das Kind noch nicht geboren ist. Wir gehen spazieren und ich laufe die Treppen rauf und runter bis ich merken kann, wie der Schmerz in Wellen kommt und ich anfange zu bluten. Bald darauf fühle ich ein „Knack” in meinem Bauch, was wohl die Fruchtblase war. Ich frage nach mehr Schmerzmitteln:

Um 13.50 Uhr wird unsere Lina geboren. Ganz sanft und leise. Zehn Zentimeter ist sie erst groß. Und sie hat wunderschöne kleine Hände.

Zuerst bin ich schockiert, weil es einfach so passiert ist. Sie nun nicht mehr in meinem Bauch ist. Noch vor ein paar Tagen hat sie darin im Fruchtwasser gestrampelt. Hat sie etwas geahnt? Wann war der Moment, als ihr Herz aufgehört hat zu schlagen? Wie konnte ich das nicht merken? Sie haben sie in ein Körbchen gelegt und mein Mann nimmt es in die Hände. Ich sehe seine Tränen, aber ich bin noch nicht bereit sie anzusehen. Ganz ehrlich gesagt erst einmal einfach erleichtert, dass der Geburtsschmerz vorbei ist. Meine Gedanken sind bei der Plazenta, denn wenn die nicht innerhalb einer halben Stunde von alleine kommt, sollte eine Ausschabung gemacht werden laut der Ärztin. Ein Teil von mir hofft auch noch, dass gleich eine Schwester hereinkommt mit einem lebendigen Baby und es mir in den Arm legt.

Zum Glück drängt mich keiner, als ich sage, ich will der Plazenta noch Zeit geben. Ich habe noch Kontraktionen und das Gefühl mein Körper kann das alleine regeln. Eineinhalb Stunden später wird die Plazenta von alleine geboren und glücklicherweise brauche ich damit dann auch keine OP mehr. Ich bin erstaunt, wie groß sie schon ist. Wir legen Linas kleinen Körper dann in eine Kiste, die wir vorbereitet haben. Betten sie in meinem Brautkleid. Mit Fotos von ihrer Mama, ihrem Papa und ihrem großen Bruder. Und anderen schönen Andenken. Unsere mutige Freundin Chiara, die Fotografin ist, kommt mit Kuchen, für den wir später sehr dankbar sind, vorbei und macht Fotos von ihr. So eine wertvolle Erinnerung. Noch am Abend kann ich das Krankenhaus verlassen. Ich fühle mich, als hätte man mir etwas amputiert. Gerade habe ich eine Geburt gehabt, doch habe ich kein Baby im Arm.

Es fühlt sich fast wie ein körperliches Bedürfnis an jetzt ein Baby zu wiegen und zu stillen.

Am nächsten Tag machen wir eine schöne Zeremonie mit vielen Rosen für Lina. Ich habe einen kleinen Stein für das Grab fertig gemacht. Wir finden einen schönen Platz tief im Wald und mein Sohn hilft mit seiner kleinen Schaufel ein Loch zu graben. Er möchte das Baby auch unbedingt sehen und ich habe ein gutes Gefühl dabei. Schließlich ist es seine Schwester. Es ist schön anzusehen, wie er damit umgeht. Für ihn ist das alles ganz natürlich, er bewertet das Ganze nicht als etwas Falsches, was nicht sein soll. Freut sich über das Baby und sagt dann

Tschüss Baby.

Als ich ihm erklärt habe, sie ist nun im Himmel, hat er sein Lego-Flugzeug herausgeholt und wollte damit dann zum Baby fliegen. Dann habe ich gesagt, sie sei noch viel weiter oben bei den Sternen. So hoch können Flugzeuge nicht fliegen. Das war dann verständlich für ihn und für eine Zeit hat er dann „Baby” gesagt, wenn er Sterne gesehen hat. Aber immer mit einer Freude dabei. Irgendwie haben wir sogar das Gefühl nun mit Berlin mehr verbunden zu sein, nachdem wir Linas Körper hier der Erde anvertraut haben.

Als ich vor dem Kleiderschrank stehe, weiß ich nicht, was ich anziehen soll. Mein Babybauch war schon vor der Geburt wieder verschwunden. Jetzt sieht es eher so aus als hätte ich zu viel Pizza gegessen. Die Schwangerschaftsklamotten sind nun viel zu groß, aber ich fühle mich noch nicht wieder bereit für die normalen Sachen. Die sind auch noch ein bisschen zu eng. Vielmehr fällt es mir am schwersten mich von der Vorstellung zu trennen diesen Sommer keinen Babybauch zu haben.

Ich hatte mir das alles schon so wunderbar ausgemalt.

Mein Körper hingegen fühlt sich sofort wieder nicht schwanger an, als ob er richtig froh ist, die Schwangerschaft endlich los zu sein. Ich fühle mich körperlich sogar richtig gut und habe deswegen auch Schuldgefühle. Zum Glück spreche ich mit meiner Hebamme darüber und habe die jetzt nicht mehr. Unbewusst habe ich es gefühlt. Ich wollte unbedingt schwanger werden, das hatte ich mir absolut gewünscht und ich war total glücklich, als es dann auch sofort geklappt hat. Aber ich konnte mich dann nicht so richtig freuen. Das habe ich insbesondere dann jedes Mal gemerkt, wenn ich jemandem von der Schwangerschaft erzählt habe und dann deren Freude gesehen habe. Und aus irgendeinem Grund habe ich während dieser Schwangerschaft lauter Berichte über Sternenkinder auf verschiedenen Blogs durchgelesen. Ich konnte gar nicht damit aufhören und ich dachte schon ich spinne. Das war wohl eine unbewusste Vorbereitung.

Und körperlich waren die Zeichen auch irgendwie da, jetzt im Nachhinein betrachtet. Deshalb hatte ich diese heftige Übelkeit, die erst in der neunten Woche losging. Ich glaube mein Körper wusste es und hätte eigentlich schon da eine Fehlgeburt eingeleitet. Aber auch wenn ich durch diese schlimme Übelkeitsphase gegangen bin, bin ich froh, dass sie bis zur 14. Woche geblieben ist. Unser erstes Kind, Lima, ist schon in der siebten Woche gegangen. Und wegen Lima bin ich genauso traurig. Aber ich hatte immer das Gefühl, sie durfte nie so richtig da sein und ich sollte sie lieber verschweigen.

„Man weiß ja, dass so etwas in so einem frühen Stadium noch passieren kann.” habe ich oft gehört.

Aber nur, weil es oft passiert, heißt das ja nicht, dass ich nicht trauere. Mit dem Moment des positiven Schwangerschaftstests habe ich mir unser ganzes Leben zusammen ausgemalt. Egal, ob siebte oder 14. Woche, das was war, ist dann vom einen auf den anderen Moment alles nicht mehr da. Weil Lina schon so groß und so sichtbar war, hat das diesmal niemand gesagt.

Wenn mich jetzt jemand fragt, dann sage ich: Ich habe zwei Sternenkinder. Meine Hebamme hat mich darauf gebracht, wie unpassend das Wort Fehlgeburt ist. Sie sagt stattdessen „kleine Geburt”, was ich auch viel besser finde. Durch diese Erfahrung können jetzt beide Kinder da gewesen sein. Und für Lima haben wir nun auch einen Stein gemacht, der direkt neben dem von ihrer Schwester steht.

Ich habe viel geweint wegen Lina und es schmerzt auch noch, auch wenn es sich jetzt manchmal eher so anfühlt als hätte ich das alles nur geträumt. Sie hat uns aber auch viel Freude und Heilung gebracht. Ebenso Wertschätzung für das, was wir haben und uns geholfen wieder mehr Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Sie hat mir zu einer Kurskorrektur verholfen und mich daran erinnert, was wirklich wichtig ist. Auch beruflich weiß ich jetzt wieder worauf ich mich konzentrieren will und bin mit großer Freude dabei. Wir sind so dankbar für all die lieben Menschen, die uns zur Seite standen. Dankbar für die guten Gespräche. Für die Nähe und tiefe Verbindung, die dadurch entstanden ist.

Danke mein kleiner Engel.

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