Das Selbstbild erfolgreicher Menschen

malen_Lena_Hedemann

Wie schnell gibst du auf, wenn du denkst, dass du in einer bestimmten Situation sowieso nichts mehr machen kannst? Glaubst du, dass du manche Probleme gar nicht lösen kannst? Weil du an dir und deinen Umständen nichts ändern kannst?

Die Psychologin Carol Dweck ist der Meinung, die Haltung zu diesen Fragen macht den großen Unterschied, ob ein Mensch erfolgreich ist oder nicht. In ihrem Buch Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt unterscheidet sie zwischen einem statischen und einem dynamischen Selbstbild. Da ich diesen Ansatz sehr interessant finde, möchte ich euch das Buch in diesem Artikel vorstellen und auf die Frage eingehen: Sind Menschen mit einem dynamischen Selbstbild erfolgreicher als solche mit statischen?

Was ist ein statisches Selbstbild?

Menschen mit einem statischen Selbstbild glauben, dass ihre Fähigkeiten und Eigenschaften angeboren sind und sie daran kaum etwas ändern können. Entweder bist du intelligent oder unintelligent, sportlich oder unsportlich, kannst singen oder du bist gut in Mathe. Entweder hast du ein bestimmtes Talent – oder eben nicht. Vielleicht kannst du es auch so mittelmäßig. Nur ändern kannst du nicht so viel daran. Wenn du so denkst, hast du wahrscheinlich ein statisches Selbstbild.

Du musst dir und den anderen ständig beweisen, dass du intelligent, sportlich oder kreativ bist. Nur dadurch bekommst du die Bestätigung, dass dein Selbstbild stimmt. Um sicher zu gehen, dass du deine Ziele erreichst, wirst du versuchen Herausforderungen und Risiken zu vermeiden.

Stattdessen willst du immer alles perfekt und richtig machen. Ein Scheitern könnte bedeuten, von den anderen für einen Looser gehalten zu werden. Und vor allem bedeutet es: Dein Selbstbild stimmt nicht. Jemand hat dir mal gesagt, dass das Bild, was du gemalt hast, nicht so schön ist? Dann heißt das wohl, du kannst nicht malen. So ist das.

Äußerst bedrohlich ist auch Kritik, denn wenn dich jemand kritisiert, dann nimmst du es persönlich und befürchtest, der andere hält sich für etwas Besseres.

Und nach außen hin sollte es immer so aussehen, als gingen dir die Dinge ganz leicht von der Hand. Wenn du dich für etwas zu sehr anstrengen müsstest, würde das ja bedeuten, dass du es doch nicht so gut kannst.

Und ein flexibles Selbstbild?

Im Gegensatz dazu stellen sich Menschen mit einem flexiblen Selbstbild ihre Fähigkeiten eher wie Muskeln vor: Sie können trainiert und vergrößert werden. Wenn du so ein Selbstbild hast, kannst du mit etwas Anstrengung besser darin werden kannst, zu malen, zu tanzen oder zu singen.

Du bist dann auch gewillt Herausforderungen anzunehmen, auch wenn das Risiko besteht dabei zu scheitern.

Außerdem kannst du entspannter mit Kritik umgehen, vielleicht nimmst du es sogar als Tipp wahr oder bewertest selbst, ob du diesen Hinweis gebauchen kannst oder nicht. Es ist nicht schlimm, dass du NOCH nicht so gut bist wie andere, du kannst es aber noch.

Wieso haben wir überhaupt so unterschiedliche Selbstbilder?

Laut Carol Dweck kommen alle Kinder mit einem dynamischen Selbstbild zur Welt; sie wollen lernen, sich weiterentwickeln, haben keine Angst davor, Dinge auszuprobieren und zu scheitern. Wenn sie Eltern mit einem dynamischem Selbstbild haben, so behalten sie ihres auch bei, denn sie werden von den Eltern darin bestärkt, sich weiter zu entwickeln und sich von Fehlschlägen nicht entmutigen zu lassen.

Wenn die Eltern selbst ein statisches Selbstbild vorleben, werden die Kinder sich mit der Zeit daran anpassen. Die Kinder lernen von ihren Eltern es gibt nur ein Richtig und ein Falsch, und Fehler sind nicht mehr gutzumachen.

Wir können in verschiedenen Lebensbereichen durchaus unterschiedliche Selbstbilder haben. Vielleicht bist du im Job sehr statisch, im Hobby wiederum total flexibel.

Carol Dweck ist der Meinung, das flexible Selbstbild ist eindeutig besser. In Bezug auf das Thema Potentialentfaltung ist es sicherlich auch viel, viel leichter dein volles Potential zu leben mit diesem Selbstbild. Ein statische Selbstbild wird dich wahrscheinlich immer wieder stoppen. Denn das Risiko ist zu hoch, du könntest scheitern. Oder dir gleich erzählen, es ist unmöglich.

Menschen mit statischem Selbstbild nehmen ihr Leben auch nicht selbst in die Hand. Sie bauen auf Talente, die sie schon denken zu haben. Doch wenn diese versagen, stehen ihnen keine anderen Möglichkeiten offen. Ursache ist laut Dweck, dass diese Menschen sich nicht als Prozess, sondern als Produkt empfinden. Personen mit einem richtig starren, statischem Selbstbild übernehmen auch keine Verantwortung. Sie geben anderen die Schuld für ihre Niederlagen. Sie sehen in erster Linie immer die Möglichkeit zu Scheitern und glauben nicht daran, dass jeder sich entwickeln oder gar über sich hinauswachsen kann; als Genie ist man geboren – oder eben nicht.

 Was ist also das Geheimnis, weshalb Menschen mit dem flexiblen Selbstbild erfolgreicher sind?

Laut der Autorin liegt es daran, dass sie Scheitern direkt einplanen – und kein Problem damit haben. Schließlich gehen sie nicht davon aus, dass sie gleich beim ersten Versuch perfekt Schlittschuh laufen können. Warum auch? Woher hätten sie das können sollen? Sie werden es einfach üben, bis sie es können. Und auf dem Weg dahin ein paar Mal auf den Hintern fallen. Sie werden trotzdem weitermachen, weil sie die Fehlversuche nicht als Urteil über ihr Talent ansehen, sondern als wichtigen Zwischenschritt ihres Lernerfolgs.

Scheitern macht gescheit!

Und erfolgreich! Wenn Carol Dweck Recht hat!

Und jetzt die alles entscheidende Frage: Kann ich mein Selbstbild ändern? Die Antwort ist ein klares Ja!

Wenn du jetzt denkst „ICH kann das nicht ändern”, bist du in diesem Fall wahrscheinlich in einem starren Selbstbild. Wenn du jetzt aber den Gedanken zulässt, dass es prinzipiell möglich ist dein Selbstbild zu ändern, dann ist das allein schon der erste Schritt hin zu einem flexibleren Selbstbild.

Vielleicht erkennst du auch in anderen Lebensbereichen, dass du da durchaus flexibel bist. Bei deinem Hobby vielleicht? Oder beim Reisen? Dann ist auch das eine erste wichtige Ressource und ein Ansatzpunkt auch im Job flexibler zu denken.

Anfangs klappt das vielleicht noch nicht immer, doch allein durch das Wissen über die beiden verschiedenen Selbstbilder, hat sich bereits etwas in dir verändert.

Dazu Zitat aus Carol Dweck Buch von einem Mädchen aus einer 7. Klasse: „Ich denke, Intelligenz ist etwas, für das man hart arbeiten muss. Es wird einem nicht einfach geschenkt. Die meisten Kinder melden sich nicht, wenn sie die Antwort nicht wissen. Aber ich melde mich immer, denn wenn ich etwas Falsches sage, dann wird mein Fehler verbessert. Oder ich melde mich und frage. „Wie kann man das lösen?” oder „Ich verstehe das nicht. Können Sie mir weiterhelfen?” Schon dadurch werde ich intelligenter.“

Was sollen Eltern, Lehrer und Chefs dann machen? Möglichst viel loben und wenig kritisieren? Ist das ist Lösung? Dweck stimmt dem nicht zu, laut ihrer Meinung kommt es vielmehr auf die Art des Lobs an. Ein Lob der Art „Du bist genial.“ oder ähnlich hebt zwar kurzfristig das Selbstwertgefühl des Gelobten, führt aber langfristig auch zu einem statischen Selbstbild.. Stattdessen geht es um Lob von Aktivitäten und Lernerfolgen: „Bei dem Angebot hast Du Dich ja richtig rein gehängt. Das sieht man am Ergebnis“.

Gleiches gilt für die Kritik: „Du bist ein Versager“ lässt keinen Ausweg und wirkt direkt demotivierend. „Dieses Mal hast du nicht genug gegeben“ zeigt, dass es eine Möglichkeit gibt, es beim nächsten Mal zu verbessern.

In diesem Sinne: Auf ein bewusst flexibleres Selbstbild. Das ist mein persönlicher Vorsatz für 2016!