Wie du etwas Gutes aus einem Burnout machen kannst

Lena Hedemann Tabuthema

Heute schreibt Laura, die ich seit einiger Zeit im Coaching begleite, in über ihre Erfahrung mit der Depression aufgrund eines Burnouts. Diese Themen ist auch heute noch ein großes Tabu und viele Menschen, wissen gar nicht, dass sie selbst betroffen sind, weil es sich irgenwann normal anfühlt, ständig erschöpft zu sein und es doch Anerkennung gibt für diejenigen, die voll in ihrer Arbeit aufgehen.

In einer Welt voll Selbstoptimierung ist für Depressionen kein Platz, dabei kann die Depression auch Geschenke mit sich bringen, denn sie kann uns auf den richtigen Weg verhelfen, wie ihr in dem Text von Laura erfahrt. Denn wenn man schon am Boden ist, ist das der beste Moment, um alles noch einmal zu hinterfragen.

Projekt Semicolon

Vielleicht hast du schon einmal Menschen mit einem Semikolon-Tattoo gesehen? „My story isn’t over yet“ – das ist das Motto von Project Semicolon, welches mehr Aufmerksamkeit für die Themen Depression und psychische Erkrankungen lenken will. Die Mitglieder der Semicolon-Bewegung haben sich ein Semikolon tätowiert als Zeichen dafür, dass sie zu ihrer Krankheit oder zu einem Erkranktem stehen. Sie wollen eine Gemeinschaft bilden, in der betroffene Menschen sich gegenseitig unterstützen. Denn ich finde sich damit zu zeigen und darüber zu reden, ist sehr heilsam.

Sind Burnout und Depression das gleiche?

Burnout hört sich irgendwie ein bisschen schicker an als Depression. Aber ist es eigentlich das Gleiche, nur unter einem anderen Namen verkauft? Jein, nicht wirklich. Aber Burnout wird häufig von Depressionen begleitet, Depressionen können also die Folge davon sein. Man sagt, dass ein Burnout eher kontextbezogen ist und die Ursachen häufig im Job liegen.

Das ist ja auch irgendwie sogar logisch, dass sich aus einem Burnout eine Depression entwickelt. Wenn ich dauerhaft ausgebrannt, überfordert oder unter Stress im ständigen Überlebensmodus bin und keine Ahnung habe, wie ich da herauskommen soll, dann ist das schon ziemlich deprimierend. Eine Depression an dieser Stelle ist irgendwie sogar ein gutes Zeichen, immerhin hat der Mensch noch nicht ganz aufgegeben. Irgendwo gibt es noch ein Fünkchen Hoffnung auf Besserung.

Anzeichen für ein Burnout

  • Lustlosigkeit
  • Übellaunigkeit
  • Gereiztheit oder Aggressivität
  • Schlafstörungen
  • Sinnlosigkeit
  • Gefühle des Versagens
  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus
  • Rückzug und Bedürfnis alleine zu sein
  • Magenschmerzen, Sodbrennen oder Blähungen
  • permanente Müdigkeit, Mattigkeit und Erschöpfung
  • Angst, den Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein
  • mangelndes Interesse am Beruf oder Aufgabenbereich

Die Frage ist ja auch immer, ab wann ist es denn ein „ richtiges Burnout? Ich finde, man muss nicht erst bis zum totalen Zusammenbruch warten, um sich Hilfe zu holen. Viele Klienten, insbesondere Mütter, kommen zu mir ins Coachings und sind sich gar nicht dessen bewusst, wie ausgebrannt sie sind. Es scheint schon fast normal zu sein. Ist es aber nicht!

Wo gibt es Hilfe?

Es gibt auch Experten, die behaupten, es gibt diese Krankheit gar nicht und es sei in Wirklichkeit eine versteckte Depression. Ich denke es ist im Endeffekt auch egal, wie man es nennt. Wichtig ist bei diesen Symptomen Hilfe zu bekommen. Die meisten Krankenkassen haben auch ihrer Website eine Funktion die „Therapeutensuche” heißt. Dort kannst du nach Postleitzahl einen passenden Therapeuten finden, der eine Kassenzulassung hat, also wo du die Kosten von der Krankenkasse übernehmen lassen kannst. Dann kannst du dort direkt anrufen und einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren.

Foto von Kat Jayne

In den meisten Städten, wie auch insbesondere in Berlin, haben die Therapeuten allerdings lange Wartelisten und es kann bis zu acht Monate dauern, einen Therapieplatz zu bekommen. Die Hürde ist oft hoch in so einer Situation den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, um einen Termin zu vereinbaren. Insbesondere dann, wenn man dann auch noch mehrere Absagen nacheinander bekommt. Um dem Abhilfe zu schaffen gibt es jetzt in jedem Bundesland einen Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Terminservicestelle vermittelt Ihnen einen Sprechstundentermin innerhalb von vier Wochen bei einem Psychotherapeuten in Ihrer Umgebung.

Coaching kann parallel zur Therapie, nach Ende der Akutphase, eine gute Möglichkeit sein, um wieder in den Job einzusteigen oder um sich neu zuorientieren. Manchmal kann es auch eine gute Alternaitve sein, um die Wartezeit bis zum Therapieplatz zu überbrücken. Und natürlich ist es eine super Sache, sich schon frühzeitig Hilfe zu holen, dann kann man auch Coaching ein sehr guter Weg sein.

Die Folgen von Burnout

Ein Burnout hat auch meistens zur Folge, dass diejenigen ihren Job ganz und gar nicht mehr gut finden und auch Interessen aufgeben, die ihnen eigentlich gefallen. Dabei waren es meistens vor allem die Rahmenbedingungen und die eigene Haltung, die es überhaupt zum Burnout kommen lassen hat.

Ich hatte vor neun Jahren auch einen Burnout und danach wollte ich mit Marketing und Eventmanagement gar nichts mehr zu tun haben. Ich gab der Firma und der stressigen Branche die Schuld, was mir auch bei weiteren Jobs, die ich aus Mangel an Alternativen angenommen hatte, wieder bewiesen wurde. Doch die Wahrheit ist: Ich hätte es in jedem Job geschafft auszubrennen, selbst wenn ich Yogalehrerin geworden wäre. Als Schülerin habe ich als Putzfrau gearbeitet und ihr habt ja keine Ahnung, wie gestresst ich dabei war. Ich wollte alles perfekt machen und besser als die Anderen. Denn nur dann habe ich mich gut genug gefühlt. Und dieser Glaubenssatz hat mich so ausbrennen lassen. Das Erschreckende ist, dass ich genau diesen Satz auch bei vielen Studenten sehe, wenn ich an der Uni unterrichte. Sogar die Erstsemestler sind unter so einem Stress und zeigen schon Burnout-Symtome.

Was ich gelernt habe durch das Burnout

Mein Umfeld hatte nicht Schuld an meinem Burnout. Ich hatte mir so eine Umgebung gesucht, in der ich mich richtig schön ausbrennen konnte. Ich wollte viel beweisen. Was ich lernen musste, um wirklich etwas zu ändern war: Ich bin gut so wie ich bin. Ich muss gar nichts dafür tun. Sogar, wenn ich arbeitslos bin, bin ich noch gut genug.

Gut ist gut genug – dieser Satz begleitet mich seitdem. Denn ich muss nicht immer alles perfekt machen.

Und ich musste lernen nicht ja zu sagen, wenn es eigentlich ein nein war. Lernen meine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren. Nein zu anderen und ja zu mir zu sagen.

So ich wollte eigentlich nur eine kurze Einleitung schreiben, aber jetzt habe ich gemerkt, wie sehr mir dieses Thema auch am Herzen liegt. Ich bin Laura sehr dankbar für diesen Text. Denn ich denke, jedes Mal, wenn wir ehrlich über Tabuthemen sprechen, bringen wir ein Stück Heilung in die Welt. Für uns selbst und auch andere. Selbst wenn es nur eine einzige Person da draußen hilft, weil sie merkt: Ich bin ja gar nicht alleine.


Die Geschichte von Laura

Ich habe lange überlegt, wie ich mit diesem Post anfangen könnte. Lena hat mich gefragt, ob ich meine Erfahrung aufschreiben kann, damit sich mehr Leute dieses Themas bewusstwerden.


Ich habe viele Jahre in verschiedenen Ländern gelebt, bis mir vor vier Jahren eine mir eine tiefe Depression – ein Burnout – diagnostiziert wurde. Zu dem Zeitpunkt lebte ich schon drei Jahre in Deutschland. Dieses Wort, sehr häufig ohne richtige Bedeutung benutzt, sollte für mich als Realität akzeptiert werden.

Nie gut genug

In meinem Leben habe ich mich immer mit meiner Arbeit identifiziert. Ich habe in einem männerdominierten Bereich gearbeitet und mich immer unter Druck gesetzt gefühlt. Ich hatte immer das Gefühl, ich wäre nicht genug „vorbereitet”, „kompetent”, „stark” oder „aggressiv” genug. NICHT GENUG.


Das Leben hat immer Up und Downs und ich habe gedacht „Na ja, es ist eine DOWN Phase”. Aber dann es war mehr, psychiatrisch diagnostiziert: Burnout.

Meine Werte waren verschwunden, meine Identität war mir mehr nicht klar, meine Leidenschaft für meine Arbeit …tot. Warum hat meine Arbeit mich so fertig gemacht? Warum habe ich keine Grenzen gesetzt? Ich habe einige Zeit gebraucht, um diese Fragen zu verstehen.


Ich bin nicht meine Arbeit

Arbeit ist nur ein Teil meines Lebens. Trotzdem konnte ich für zwei Jahre nicht darüber reden. Jetzt überlege ich, wie kann ich mich neu orientieren, um eine Arbeit zu finden, die richtig zu mir passt, nicht nur analytisch aber auch seelisch (gesehen).


Dieses Mal wird die mich nicht verbrennen, werde ich mich nicht verbrennen lassen, nur erwärmen. In meiner Coachingreise mit Lena habe ich erkannt, wie in der Ruhe meine Klarheit liegt. Und, dass ich hochbegabt bin.

In meinem Berufsleben habe ich immer alles geschafft, meistens bin ich auch sehr erfolgreich gewesen. Ich muss mich nicht entscheiden (über)welchen Weg richtig für mich für immer ist: nur jetzt, mit 44 Jahren, leider ohne Kinder.


Ich kann in meinem natürlichen Tempo gehen und ich kann jetzt bewusst und ohne Angst schreiben:


Ich war viel unterwegs und jetzt bin ich ich. Lange habe ich gesucht, aber wahrscheinlich nicht tief genug. Es fehlte etwas. Ich fühle den Druck. Der setzt mich jetzt in Bewegung, in eine Richtung die mir noch nicht bekannt ist. Ich werde die herausfinden, um in Frieden wieder zu atmen.


Danke Lena!
Laura

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