Warum es sich nicht lohnt im Bett Sorgen zu machen

Hedemann_Neuseeland

Kennst du das, dass du manchmal nicht weißt, wie das alles klappen soll? Ich liege dann im Bett und denke darüber nach, was ich noch alles machen muss. Parallel dazu kommen mir Gedanken, was ich alles noch nicht getan hab. Darin war ich mal richtig gut!

Doch die Wahrheit ist doch: Das ist reine Zeitverschwendung! Das, was ich nicht getan haben, kann ich eh nicht mehr ändern. Und die Sorgen, die mein Gehirn zerfressen lasse, sind auch nichts weiter als hypothetisch. Wenn ich im Bett liege und mir Sorgen über die Zukunft mache, bringt mir das rein gar nichts. Denn ich mache weder einen Plan, der mir konkret weiterhilft, noch löse ich dadurch das geringste Problem. Ganz im Gegenteil: Je mehr ich nachdenke, desto größer erscheint mir das Problem. Aber was hilft denn dann? Aufstehen und ablenken? Da ich absolut kein Frühaufsteher bin, hat mich diese Antwort nicht zufrieden gestellt.

In einer Schlussszene von einem Film, ich weiß leider nicht mehr welcher das war, habe ich mal diese schlauen Fragen gehört:

„What time ist it?“ – „Now.“

„Where are you?“ – „Here.“

Hätte ich diese Fragen ehrlich beantworten müssen, wäre das Ergebnis so etwas wie: „Ich bin gerade gedanklich 6 Monate in der Zukunft und sitze in meinem Büro an der Finanzplanung“. Und damit das alles so richtig Spaß macht, beruhten all meine Gedankengänge dabei natürlich auf der Annahme von worse-case-Szenarien.

Ich muss dabei an ein Erlebnis vor ein paar Jahren denken: 2010 bin ich durch Neuseeland gereist und hatte im Gepäck das Buch „Jetzt“ von Eckhard Tolle. In dem Buch geht es um genau dieses Thema: warum wir uns in Gedanken ständig in der Zukunft oder Vergangenheit aufhalten und warum das absolut sinnlos ist.

An einem Tag wollte ich eine Gletscherwanderung machen. Es war fürchterlich am Regnen und der Guide hatte uns sogar angeboten, dass wir abbrechen können. Doch wir wollten trotzdem auf den Gletscher. Schon nach zwei Minuten bin ich in eine Eispfütze getreten und hatte nasse Füße, die sich wie Eisblöcke anfühlten. Und so habe ich dann die nächsten vier Stunden auf dem Weg nach oben damit verbracht, mir den Kopf zu zerbrechen, was jetzt alles Schlimmes passieren könnte. Der Dialog in mir sah in etwa so aus: „Hätten wir bloß nicht ja gesagt und die Wanderung verschoben. Hätte ich bloß nicht gleich nasse Füße gekriegt.“ Lamentieren über Dinge, die ich so oder so nicht mehr ändern konnte. Dazu habe ich dann noch eine exquisite Mischung Katastrophenszenarien gemischt, wie: „Ich weiß gar nicht, ob ich das schaffen kann bis nach oben! Was, wenn nicht? Was, wenn meine Füße einfrieren und ich bleibende Schäden davontrage? Und wahrscheinlich bekomme ich eine richtig schlimme Erkältung. Dann kann ich gar nicht mehr weiterreisen. Oder ich kann dann noch nicht mal meinen Rückflug antreten, wenn ich so krank bin. Das wird richtig teuer mit dem Umbuchen!“.

Während ich diese Gedankenschleifen drehte, drangen irgendwann ein paar von den Sätzen von Eckhard Tolle zu mir durch. Mir wurde klar, dass ich all meine Aufmerksamkeit darauf schenke, was ich nicht mehr ändern konnte und auf das, was noch gar nicht eingetreten war. Und dann habe ich endlich richtig die Augen aufgemacht und mich umgesehen: Ich stand inmitten einer atemberaubenden Umgebung! Mitten in einer Gletscherspalte. Ein bisschen Sonnenlicht drang durch und das Eis schimmerte hellblau. Total magisch. Das hatte ich die ganze Zeit überhaupt nicht wahrgenommen!

Da wurde mir bewusst, wie viel ich vom jetzt verpasse, weil meine Gedanken ständig in der Vergangenheit oder Zukunft herumturnen.

Übrigens habe ich weder eine Erkältung bekommen, noch sind meine Zehen abgefroren. Bei unser Unterkunft gab es heiße Pools, in denen wir dann den ganzen Abend verbracht haben. Und selbst wenn: Mein Sorgen-machen hätte auch nichts daran geändert. Es hätte mich nur davon abgehalten, diesen schönen Moment zu verpassen.

„Zeit ist überhaupt nicht kostbar, denn sie ist eine Illusion. Was dir so kostbar erscheint, ist nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liegt: das Jetzt. Das allerdings ist kostbar. Je mehr du dich auf die Zeit konzentrierst, auf Vergangenheit und Zukunft, desto mehr verpasst du das Jetzt, das Kostbarste, was es gibt.“

Eckhart Tolle

Um mich ständig daran zu erinnern, habe ich jetzt dieses Bild auf meinem Schreibtisch stehen:

die kraft der gegenwart lena hedemann

 

Kennst du das, dass du dir Sorgen machst, um etwas, was gar nicht eingetreten oder letztlich viel besser gekommen ist als erwartet? Ich bin gespannt auf deine Geschichte!