Raus aus der Perfektionismus-Falle

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Foto: © Scott Webb

Kennst du das, dass du manchmal Angst hast die Erwartungen nicht erfüllen zu können? Da sind Chefs, Auftraggeber, Kunden, Kollegen, Partner oder irgendwann auch die eigenen Kinder, die erwarten. Und da sind Zweifel: Bin ich wirklich gut genug, um all diese Erwartungen zu erfüllen? Was wäre eigentlich, wenn nicht? Wenn das eine Projekt total floppt, die Deadline nicht eingehalten werden kann, der Kunde mir seine Unzufriedenheit verkündet oder meine Schwiegermutter mich nicht mag? Wenn das eintritt, was ich mit aller Kraft zu vermeiden versuche. Wenn mein Chef oder mein Mann deswegen enttäuscht von mir sind. Weil ich nicht gut genug bin. Nicht 100% perfekt. Ich mich nicht genug angestrengt habe, um es hätte sein zu können.

Da es etwas ganz selbstverständliches ist, an jemanden hohe Erwartungen zu haben, habe ich diese natürlich auch an andere. Meine Kinder, Chefs und Kollegen sollen sich auch anstrengen und tolle Leistungen bringen, um gute Menschen zu sein. Tun sie das nicht, reagiere auch ich wiederum mit Enttäuschung. Schließlich habe ich mich ja auch so angestrengt und gestresst für sie. Außerdem brauche ich ihre gute Leistung, um diese wieder meinen Erwarten zu präsentieren. Mit meinen Kollegen, will ich als tolles Team dastehen oder ich brauche ihren Input für mein Projekt. Die guten Leistungen meiner Kinder sagen auch gleichzeitig aus, dass ich eine gute Mutter sein muss. Was für ein Teufelskreis! Wie kommen wir da bloß raus? Will ich wirklich mein ganzes Leben damit verbringen, die Erwartungen der anderen zu erfüllen?

Ständige Optimierung

Der Drang uns immer weiterzuentwickeln, hat uns Menschen ja dorthin gebracht, wo wir jetzt sind. Das ist ja auch ganz und gar nicht schlecht. Doch was, wenn ich diesen Zustand, wo ich endlich gut genug bin, nie erreichen kann? Denn selbst, wenn ich etwas erreicht habe, dann werde ich noch denken „ich bin nicht gut genug“ und werde mir neue, höhere Erwartungen finden, die ich wieder nicht erfüllen kann.

Viele Menschen, die das kennen, haben oft unrealistische und viel zu hohe Erwartungen an sich selbst. Sie „wissen“ oft schon vorher, dass es nicht genug sein wird, wenn sie etwas erledigen (denn diese hohe Erwartung ist ja in der Tat auch nicht zu erfüllen). Deswegen fangen sie erst gar nicht an und vermeiden so das Gefühl der Enttäuschung. Cleverer Trick, um Enttäuschungen vorzubeugen. Blockiert aber leider das Weiterkommen.

Mein Perfektionismus begegnet mir immer mal wieder. Doch mittlerweile erkenne ich ihn schneller. Wenn ich eine Blockade habe, frage ich mich, ob ich schon wieder einen zu hohen Perfektions-Anspruch habe. Und dann kann ich bewusst entscheiden, wie ich damit umgehe. Manche Dinge will ich mit einem hohen Anspruch haben, meistens reicht jedoch auch 80 %. Und diese 80 % erreichen wir laut Pareto-Prinzip, eines der Nr. 1 Regeln aus dem Bereich Zeitmanagement, auch ziemlich einfach: die Priorität wird auf die wichtigen Teile eines Projektes legt. Gemäß der 20/80-Regel erzielt man durch 20 Prozent der Aufgaben (bzw. 20 Prozent der Zeit) 80 Prozent der Ergebnisse.

Aus Japan kommt die Idee des „Wabi-Sabi“: die Kunst, Schwächen zu akzeptieren, sich nichts mehr beweisen zu müssen und die Schönheit gerade im Unvollkommenen zu finden. Das ist wirklich eine Kunst! Ich finde das gilt es für uns auch zu lernen.  Schritt für Schritt. Dazu gibt es keine jetzt-sofort-und-für-immer-Lösung, die den Perfektionismus für immer besiegt. Sondern jeden Tag aufs Neue sage ich mir:

Jetzt gerade bin ich gut so wie ich bin!

Ich gebe mein bestes, nicht mehr und nicht weniger.